Der Schornsteinfeger: Ihr Sicherheits-, Umwelt- und Energieexperte

Innung Köln

Qualitätshandwerk mit Traditionsbewusstsein.

Etwas Geschichte

Als die Menschheit gelernt hatte, sich zum Schutz gegen Kälte, Hitze, Regen, Schnee und Wind und gegen sie bedrohende Tiere Häuser zu bauen, wurde auch das Feuer in diesen Häusern unterhalten.

Schon zu Zeiten Alexanders des Großen (400 bis 300 Jahre vor Chr.) wurde die Erwärmung der Räume mittels tragbarer Kohlenpfannen vorgenommen.

Die Römer installierten in ihren Häusern und Bädern in den Fußböden und Wänden schon Röhren aus Ton, durch die sie heiße Luft oder Wasser leiteten.

Mit der Verwendung des Feuers zur Erwärmung der Häuser und Hütten war auch das Problem des Rauchabzuges zu lösen.

Zunächst wurden einfach Öffnungen in Wände oder Dach gelassen, um den Rauch des offenen Feuers abzuleiten.

Wie wenig der Aufenthalt in diesen dunklen, rauchigen, verrußten Räumen mit unseren heutigen Wohnverhältnissen zu vergleichen ist, lässt sich wohl ahnen.

Jahrtausende der Menschheitsgeschichte sind vergangen, ehe die Anfänge des heutigen Schornsteins begannen.

Mit den Burgen der Herrscher und den Klöstern wurden in Deutschland die ersten mehrstöckigen Gebäude aus Steinen erstellt. Mit dieser Bauart war der Zwang verbunden, eine andere Abführung für den Rauch zu finden.

Man verlegte das offene Feuer aus der Mitte des Raumes in eine von zwei Außenwänden gebildete Ecke. Über dem offenen Feuer brachte man im Mauerwerk einen Rauchfang an, und den Rauch führte man durch zwei Rauchkanäle nach draußen ab.

Mit der Verlegung des Feuers zu einer Außenwand und dem Bau eines Rauchfanges beginnt auch die Entwicklung zum Bau von Schornsteinen.

Es ist anzunehmen, dass mit der Geschichte des Schornsteins auch die Geschichte des Schornsteinfegers beginnt. Aus der Tatsache, dass der Bau der ersten Schornsteine nach Italien verlegt worden ist - nach einer Inschrift sollen im Jahre 1347 bei einem Erdbeben in Venedig viele Schornsteine (molle camina) heruntergeworfen worden sein - und aus einer Urkunde, wonach im Jahre 1331 in Prag dort in Gefangenschaft befindliche Italiener das Auskehren der Feuerkanäle vornahmen, schließt man wohl nicht zu Unrecht, dass die ersten Schornsteinfeger aus Italien nach Deutschland gekommen sind.

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Stattliche und gestandene Gesellen und Meister !


Was versteht man heute unter dem modernen Schornsteinfeger ?

Gleichlaufend mit der Entwicklung der Feuerstätten und Schornsteine geht die Entwicklung des Schornsteinfegers.

Noch zu Beginn dieses Jahrhunderts stellten lokale Feuerstätten (Einzelöfen), die mit festen Brennstoffen beheizt wurden, die Beheizung der Wohnräume sicher. Andere Feuerstättenarten gab es kaum und Zentralheizungen waren nur selten zu finden. Die Aufgabe des Schornsteinfegers erstreckte sich auf die Reinigung der Schornsteine und Feuerstätten sowie die Überwachung der Feuersicherheit dieser Anlagen.

Im Laufe einer Generation hat sich dieses Bild grundlegend gewandelt.

Einzelöfen machten Platz für moderne zentrale Feuerstätten und auch der feste Brennstoff verliert immer mehr an Bedeutung für die Erwärmung unserer Wohnungen. An seine Stelle sind Heizöl, Erdgas und Elektrizität getreten.


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Je moderner die Feuerungsanlage, desto umfangreicher und fachmännischer muss die Überwachung und Betreuung sein.

Hier findet der heutige, moderne Schornsteinfeger sein weites Arbeitsfeld.


Das Schornsteinfegerhandwerk erlebte einen Wandel von der rein manuellen Tätigkeit der Reinigung von Feuerungsanlagen hin in technische Bereiche der Feuerstätten- und Lüftungstechnik, der modernen Schornsteinbautechnik und des Umweltschutzes mit Überwachungsaufgaben.

Der moderne Schornsteinfeger, ist Fachmann im Bereich der Feuerungsanlage, betraut mit Aufgaben zum Schutz der Bevölkerung und des Volksvermögens.


Welche Aufgabe hat der Schornsteinfeger ?

Selbstverständlich gehört auch heute noch die Reinigung von Schornsteinen, Verbindungsstücken (Rauchrohre; Abgasrohre) und Feuerstätten zu den Aufgaben des Schornsteinfegerhandwerks.

Bei der Verbrennung von festen Brennstoffen und Heizöl entsteht ein Rückstand (Ruß), der aus Feuerstätte, Verbindungsstück und Schornstein entfernt werden muss, um eine einwandfreie, wirtschaftliche und möglichst umweltfreundliche Funktion zu gewährleisten.

In einem Teilbereich des Umweltschutzes hat das Schornsteinfegerhandwerk bereits hoheitsrechtliche Aufgaben zu erfüllen. Nach der 1. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetz ist jede Feuerung mit Ölbrennern mit einer Nennheizleistung von mehr als 11KW einmal im Jahr auf Auswurf und Abgasverluste hin zu untersuchen. Die gleiche Überprüfungspflicht besteht für Gasfeuerstätten über 11 KW Nennheizleistung, die der zentralen Beheizung dienen. Hier müssen jährlich die Abgasverluste ermittelt werden. Bei warmwasserbereitenden Anlagen beginnt die Kontrollpflicht bei mehr als 28 KW.

Hierfür hat der Schornsteinfegermeister mittels Messgeräten festzustellen, ob die Feuerstätte so arbeitet, dass die Umwelt so wenig wie möglich belastet wird. Entsprechende Richtwerte sind behördlich vorgeschrieben.

Auch an Zentralheizungsanlagen, die mit festen Brennstoffen beheizt werden und mechanisch beschickt werden, müssen Messungen durchgeführt werden, wenn die Nennheizleistung der Feuerstätten mehr als 15 KW beträgt. Die rechtliche Grundlage bildet auch hier die 1. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes.

Es ist selbstverständlich, dass jeder Schornsteinfeger, der diese Überprüfung vornimmt, entsprechende Kenntnisse über die Funktion der zu testenden Anlagen haben, sowie über Funktion, Handhabung und Aufbau der Messgeräte ausreichend Bescheid wissen muss.

Das bei der Verbrennung von Gas entstehende Abgas, hauptsächlich bestehend aus Kohlendioxyd und Wasserdampf, wird durch Abgasrohre und Abgasschornsteine ins Freie geleitet.

Der Schornsteinfeger hat hier die Aufgabe, einmal jährlich zu überprüfen, ob die Abgaswege sich in einem Zustand befinden, die eine einwandfreie Abgasabführung gewährleisten. Dabei wird als Sicherheits- und Funktionskontrolle eine CO-Messung (Ermittlung des Kohlendioxyd-Gehaltes) vorgenommen.

Zur Zeit gilt ein Richtwert von 1000 ppm, der nicht überschritten werden darf.

In einem Zeitabschnitt von 5 Jahren hat jeder Bezirksschornsteinfegermeister innerhalb seines Kehrbezirkes, alle Feuerstätten durch Inaugenscheinnahme zu überprüfen. Hierbei sind die bestehenden baurechtlichen Vorschriften nach der Feuerungsverordnung zu beachten und erkannte Mängel unverzüglich dem Haus- und Grundstückseigentümer zu melden. Der Bezirksschornsteinfegermeister hat, gegebenenfalls unter Mitwirkung der Behörden, dafür zu sorgen, dass die festgestellten Mängel beseitigt werden.

Eine weitere Aufgabe stellt die gutachtliche Stellungnahme über Schornsteine und Abgasableitungssysteme bei Rohbau- und Schlussabnahmen dar. Hier wird der Schornsteinfegermeister im Auftrage der Behörde als Sachverständiger tätig.

Die Kenntnis der entsprechenden baurechtlichen Vorschriften ist dabei unerlässlich.

Als Kundendienst betrachtet das Schornsteinfegerhandwerk die fachkundige Beratung der Bevölkerung in Fragen der rationellen Energieverwendung und des Umweltschutzes. Um hier jeweils auf dem neuesten Stand der Technik zu sein, werden laufend Lehrgänge durchgeführt, um allen Berufsangehörigen die erforderlichen Kenntnisse zu vermitteln.

Wenn sich heute das Schornsteinfegerhandwerk - besonders in NRW - innerhalb des REN-Impulsprogramms mit Energieberatung oder korrekter ausgedrückt mit einer Anschub- oder Initialberatung beschäftigt, so verfolgt diese Maßnahme ausschließlich den Sinn: Betreiber von Heizsystemen darüber zu informieren: was geschieht wenn ich, zum Beispiel meine 15 Jahre alte Heizungsanlage erneuern lasse.

Dabei kommt es dem Schornsteinfegerhandwerk ausschließlich darauf an, Maßnahmen zu empfehlen oder deutlich zu machen, die darauf abzielen Energie noch rationeller und somit umweltschonender zu verwenden.

Die absolute Neutralität des Schornsteinfegerhandwerks zielt ausschließlich darauf ab Hinweise und Entscheidungshilfen zu geben.

Verkauf, Installation, Brennstoffwahl und Wartung sind dabei Aufgaben, die dann unseren Marktpartnern des Fachhandwerks Heizung-Sanitär zustehen.

Wenn man sich vor Augen hält, dass der Anteil von Heizungsanlagen, die älter sind als 15 Jahre, je nach Gebiet die 50%-Marke noch stark übersteigen, so kann man erkennen, welche Potentiale auf diesem Sektor noch genutzt werden können.


REN-Impuls-Programm

Bei ca. 4000 durchgeführten Beratungen wurden in 66% der Fälle ein Austausch und somit eine Erneuerung der vorhandenen Heizungsanlage empfohlen.

In 57% der Fälle wurde eine Dämmung der Gebäudeaußenhülle für sinnvoll gehalten.
38% fielen auf die Empfehlung einer Dachdämmung.
In 21% der Fälle wurde eine Dämmung der Kellerdecke für notwendig erachtet.
Und in 18% der Gutachten wurden neue Fenster mit entsprechender Wärmedämmung empfohlen.

Mit diesen Maßnahmen könnten ca. 100.000.000 KWh/a eingespart werden.

Dies entspräche einer Menge von etwa 10.000.000 l Heizöl oder 550 Millionen m³ Erdgas.

Oder transparenter: bei durchschnittlich 5000 l Heizöl-Verbrauch/a, könnten damit 2000 Einfamilienhäuser (Kleinstadt) zusätzlich beheizt werden.

Die Investitionssumme würde nach heutigen Marktpreisen bei ca. 210.000.000 DM liegen. Dabei würden ca. 33.000.000 DM an MwSt. fällig.

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Alter Messkoffer aus den Anfängen des Immissionsschutzes

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Neuer Messkoffer


Umweltschutz und Ressourcenschonung

Umweltschutz und Ressourcenschonung durch den Schornsteinfeger

Im Jahr 1971 erklärte die damalige Bundesregierung:" Wir sind der Überzeugung, daß Umweltpolitik den gleichen Rang hat, wie andere große öffentliche Aufgaben, wie zu Beispiel soziale Sicherheit, Bildung oder innere und äußere Sicherheit". Die politischen Grundprinzipien des Umweltschutzes beruhen auf der Verantwortung und der Gefahrenvorsorge für Menschen, Tiere und Pflanzen. Sie sollen vor schädlichen Umwelteinwirkungen geschützt werden, nicht nur als Selbstzweck für den Einzelnen. Dieser Erklärung folgte die Gesetzgebung. Am 15.03.1974 trat das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BimSchG) und am 01.10.1974 die erste Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes in Kraft. Zu unterscheiden sind zwei Verantwortungsebenen:
1. Verantwortungsebene des Staates
2. Verantwortungsebene des Betreibers


Verantwortungsebene des Staates

Seit 25 Jahren sind die zuständigen Behörden im Rahmen der Gefahrenvorsorge verpflichtet, die Einhaltung der Umweltschutzbestimmungen nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BimSchG) zu überwachen (§ 52 des BimSchG):


  • Schutz des Bürgers vor schädlichen Umwelteinflüssen
  • Einhaltung vorgegebener Grenzwerte
  • Einhaltung der vorgeschriebenen Fristen (periodische Kontrollen)
  • Erstellen eines Emissionskatasters


Verantwortungsebene des Betreibers


  • Feststellen des Anlagenzustandes auf erkennbare Mängel
  • Anlage nach eigener Sachkenntnis selbst beurteilen
  • Auftragserteilung zur Wartung


Überwachung von Kleinfeuerungsanlagen

Über 13 Millionen Öl-, Gasfeuerungsanlagen und Feuerungsanlagen für feste Brennstoffe in Deutschland mit relativ niedrigen Quellhöhen tragen erheblich zur Luftverschmutzung bei.
Darüber hinaus werden durch diese Anlagen ca. 380 Millionen Tonnen CO² an die Umwelt abgegeben.

Staatsentlastung durch Aufgabenübertragung

Zur flächendeckenden Überwachung dieser Anlagen wäre eine große Anzahl von Staatsbediensteten nötig. Deshalb haben die staatlichen Organe nach ausführlicher Diskussion in Politik, Verwaltung und den betroffenen Interessenverbänden dem Bezirksschornsteinfegermeister die Überwachung der Anforderungen nach der 1. BimSchV übertragen.

Entscheidende Argumente dafür sind:


  • Schornsteinfeger sind kompetente Fachleute, die täglichen Umgang mit Feuerungsanlagen haben. Durch Ausbildung und regelmäßige Weiterbildung sind sie stets auf dem neuesten Stand der Technik.
  • Bei der Beurteilung sind Schornsteinfeger neutral und unabhängig. Sie haben kein wirtschaftliches Interesse, Anlagen zu warten oder zu erneuern.
  • Die Bezirksschornsteinfegermeister arbeiten als staatlich beliehene Unternehmer und Dienstleister. Sie unterliegen nach dem Schornsteinfegergesetz der Dienstaufsicht der zuständigen Behörden.
  • Die unabhängige Überwachung durch das Schornsteinfegerhandwerk erfüllt alle Grundsätze des Verbraucherschutzes.


Der Staat beschränkt sich auf


  • Aufsicht über Bezirksschornsteinfegermeister/innen
  • Einleitung von Ordnungsmaßnahmen bei wiederholter Beanstandung einer Anlage
  • Erstellung von Emissionskatastern aufgrund der von den Organisationen des Schornsteinfegerhandwerks (Innungen, Landesinnungsverbände, ZIV) zusammengefassten Messergebnisse


Ohne neutrale Überwachung mehr Umweltbelastung

Würden ohne Überwachung durch die Schornsteinfeger die Abgasverluste aller Feuerungsanlagen nur um 1 Prozentpunkt höher gewesen sein als 1997 festgestellt, wären nahezu über 1.050 Millionen Liter Heizöl und über 550 Millionen m³ Erdgas verbraucht worden. Das entspräche einer Kohlendioxydmenge von fast 4 Millionen Tonnen.

Mit jedem zusätzlichen Prozentpunkt würden sich die Werte entsprechend erhöhen.

Vorteile der Messung durch Schornsteinfeger


  • Einsatz zugelassener und einwandfreier Messgeräte nach Vorgaben der 1. BimSchV (halbjährliche Überprüfung der Geräte durch Prüfstellen der Innungen, die wiederum von anerkannten Institutionen überwacht werden)
  • Fristgerechte Durchführung der Messungen nach vorheriger rechtzeitiger Anmeldung
  • Aufzeichnung und Dokumentation der Messergebnisse und deren Weiterleitung an die zuständigen Behörden
  • Schnelle Zusammenstellung aller Ergebnisse für das Emissionskataster aufgrund der guten Organisation
  • Qualifikation der Schornsteinfeger durch regelmäßige flächendeckende Schulungen
  • Kompetente Beratung über Feuerungsanlagen ohne wirtschaftliche Interessen
  • Information des Betreibers über den aktuellen Stand der Umweltvorschriften und deren Zielsetzungen


Wirksamer Umweltschutz zu geringen Kosten


  • Die Logistik und die Infrastruktur der Schornsteinfegerbetriebe garantiert kurze Wege und somit geringe Kosten
  • Die Messung wird mit einer Sicherheitsprüfung (bei Gasfeuerung mit der Messung des Kohlenmonoxydgehaltes) verbunden und führt bei Verringerung der Rußbildung (Ölfeuerung/Feststoffeuerung) zur Reduzierung der Kehrhäufigkeit und somit zu einer Kostenentlastung der Betreiber
  • Energieeinsparung führt auch zur Reduzierung der Energiekosten und somit zum Vorteil des Kunden


Erfolgreiche Überwachung durch Schornsteinfeger

Trotz wiederholt erhöhter Anforderungen konnte die Beanstandungsquote von anfangs bis zu 60% auf ca. 10% gesenkt werden. Anteile der Öl- und Gasfeuerungen, welche die Grenzwerte der 1. BimSchV nicht einhalten; Basis: Erhebungen des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV).


Die Entwicklung in Deutschland nach dem Tage -Null-

Nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 existierte in Deutschland keine staatliche Gewalt mehr.

Die Städte und weite Landstriche waren zerstört. Die vier Siegermächte hatten das Land besetzt, in vier Besatzungszonen eingeteilt und die uneingeschränkte Regierungsmacht übernommen.


Sie waren sich einig in dem Ziel, eine von Deutschland ausgehende Kriegsgefahr in Zukunft unmöglich zu machen. Differenzen bestanden jedoch über die Nachkriegsordnung und die Grundsätze, auf denen diese basieren sollten. Schon bald zeigten sich tiefgehende ideologische und politische Differenzen zwischen den sogenannten Westmächten und der Sowjetunion.

Zerstörte Städte, Millionen von Flüchtlingen aus den verlorenen Ostgebieten, Industriedemontagen und hohe Reparationsleistungen bestimmten zunächst das Leben in allen Besatzungszonen. Einzige organisatorische Klammer war der "Alliierte Kontrollrat". Die Bildung einer deutschen Zentralgewalt scheiterte am Widerspruch Frankreichs. Das Prinzip, dass die Besatzungsmächte Reparationen jeweils aus ihren Zonen entnehmen sollten, zerstörte praktisch auch die wirtschaftliche Einheit. Die Besatzungsmächte richteten die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung zunehmend nach dem Vorbild ihres eigenen Systems aus. Am entschiedensten geschah dies in der sowjetischen Zone. Die sowjetische Zone wurde zentral verwaltet, die Wirtschaft zur Kollektivierung von Grund und Vergesellschaftung von Banken und Schlüsselindustrien auf ein sozialistisches Planwirtschaftssystem umgestellt.


Die Westmächte hatten demgegenüber anfangs keine richtige Vorstellung über die Behandlung Deutschlands. In den Westzonen wurden politische Parteien nur zögernd zugelassen. Demokratie sollte von unten nach oben entstehen. Ländereinheiten wurden zuerst in der amerikanischen, zuletzt in der französischen Zone gebildet. Parallel mit der Bildung von Ländereinheiten setzten die USA - zum Teil gegen andersgerichtete deutsche Vorstellungen - die Wiederherstellung des privat-kapitalistischen Wirtschaftssystems durch. Ihre und die britische Zone schlossen sie zu einem einheitlichen Wirtschaftsgebiet, der sogenannten "Bizone", zusammen, der später auch die französische Zone beitrat. Mit der Währungsreform in den Westzonen wurde der Prozess der wirtschaftlichen Spaltung Deutschlands abgeschlossen.

Alle Maßnahmen standen bereits im Zeichen des "kalten Krieges" zwischen den Hauptkontrahenten USA und UdSSR. Sein dramatischer Höhepunkt war die Blockade der Westsektoren Berlins, die von den Westmächten mit Hilfe der Luftbrücke gebrochen wurde. Unter diesen Umständen ließen sich die Versuche, alle Zonen zu einem einheitlichen Staat zusammenzufassen, leider nicht mehr realisieren. Nachdem mehrere Außenministerkonferenzen der Siegermächte ohne Ergebnis verliefen und auch alle deutschen Bemühungen, die Einheit zu erhalten, gescheitert waren, bekannten sich die Westmächte zur "de facto" bereits bestehenden Spaltung und erteilten den Ministerpräsidenten der Länder in den Westzonen den Auftrag, eine parlamentarisch-demokratische und föderalistische Verfassung für einen westdeutschen Staat auszuarbeiten.

Diese Arbeit leistete der Parlamentarische Rat, der am 23. Mai 1949 das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland verkündete. Es berücksichtigt die mit der Weimarer Verfassung und dem Nationalsozialismus gemachten Erfahrungen und bot die Chance zu einer eigenständigen Entwicklung. Ausdrücklich wurde diese Verfassung als ein Provisorium bis zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung ganz Deutschlands konzipiert.

Die ersten Bundestagswahlen im Herbst 1949 bestätigten den Willen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung zu einer freiheitlichen Demokratie nach westlichem Vorbild.

Das Besatzungsstatut beendete jetzt auch die uneingeschränkte Hoheit der Alliierten und gab den Weg zu einem selbständigen staatlichen Leben im Rahmen der nunmehr gegründeten Bundesrepublik Deutschland frei.

Nach Beendigung des Krieges wurde zunächst ohne gesetzliche Regelung alles Handwerksrecht nicht mehr angewendet, das die spezielle nationalsozialistische Prägung aufwies. Insbesondere wurde die allgemeine Pflichtorganisation weitgehend aufgegeben, selbstverständlich auch das sogenannte Führungsprinzip.

Über die Schwierigkeiten des Aufbaues einer Berufsorganisation für unser Handwerk im Lande NRW ist im "Mitteilungsblatt für das Schornsteinfegerhandwerk" unter dem 1. Juli 1947 folgendes zu lesen:

Es ist leichter, einen Neubau zu errichten als aus den Trümmern das noch Brauchbare herauszusuchen, zu sichten, zu säubern und mit der Freilegung der Fundamente zu beginnen. Hindernisse stellten sich ihnen entgegen, die fast unüberwindlich schienen und doch beseitigt sein mussten, damit der Weg zum Neuaufbau frei und einigermaßen begehbar wurde. Trotz allen Widerständen zeigte es sich, dass das alte Zusammengehörigkeitsgefühl doch noch lebendig und auch bereit war, für die Belange des Berufes einzustehen.

Neben dem Aufbau der Innungen galt es, der Not des Krieges zu begegnen und soweit wie es möglich war, diese zu lindern. Die alten, im Ruhestand lebenden Meister, die Witwen und die Waisen standen vollkommen mittellos da, weil der Versorgungsverein in Berlin seine Zahlungen einstellen musste. Hier galt es, sofort und wirksam zu helfen, wenn diese Menschen nicht als Almosenempfänger den Gemeinden zur Last fallen sollten. Es muss lobend festgestellt werden, dass der Wille zu helfen so impulsiv war, dass bereits im Jahre 1945 die Renten an die Versorgungsberechtigten gezahlt werden konnten. Vielleicht war es gerade die Sorge, den in Not geratenen früheren Berufsangehörigen zu helfen, dass der Zusammenschluss in einem Ausmaß erfolgen konnte, auf die unsere Nachfolger einst Stolz sein werden.


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Weitere Probleme wurden akut und mussten gelöst werden. So die Unterbringung der Meister, die durch die Einwirkungen des Krieges ihren Kehrbezirk verloren hatten, so dass ein Ausgleich bzw. eine Neueinteilung der Kehrbezirke vorgenommen werden musste. Meister und Gesellen mussten große Opfer bringen, um dieses zu ermöglichen. Die Kehrbezirksanwärter waren durch den Krieg überaltert und sollten untergebracht werden. Die Hebung der Feuersicherheit, das Verhindern des wilden Bauens, die Behebung der Kriegsschäden an den Wohngebäuden, die Heraufsetzung der Kehrtermine, bedingt durch die große Wohndichte im Gebiet der britischen Zone, die Beschaffung von Handwerksgerät, Arbeitskleidung, Arbeitsschuhen und Fahrrädern, die Beschaffung von Seife und Brennmaterial für die Betriebe, Lehrlings- und Fachschulfragen, Abhaltung von Kursen zur Ablegung der Meisterprüfung und nicht zuletzt der Neuaufbau des Versorgungsvereins, alles das waren Aufgaben, die bewältigt werden mussten.

Welches Maß von Arbeit geleistet werden musste, lässt sich an dieser Stelle nur vermuten.





Bundesland: Nordrhein-Westfalen
- Zentralinnungsverband (ZIV) -

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